Ein Geheimnis?

Nein, ein Geheimnis habe ich damit nicht offenbart. Erstens kann jedermann all das und noch viel mehr in den in öffentlichen Büchereien zu findenden Werken sich selbst erlesen. Zweitens gibt es kein Geheimnis der Freimaurerei. Das Geheimnis des Freimaurers ist das, was er an sich selbst erlebt; das kann sogar seinem Bruder nicht offenbar werden, so nahe der ihm auch sein mag. Es ist das Ergebnis ritueller (Mit-)Arbeit, das Ergebnis eines individuellen Prozesses von Lernen und Meditieren. Mit Hilfe einer Ritualsprache, mit Hilfe von Zeichen, Zahlen und vor allem Symbolen.

Geheim bleibt für Außenstehende oft die Tatsache, dass ein Mann Freimaurer ist. Warum das, wenn es doch nichts zu verbergen gibt, wenn die Freimaurerei doch keine Geheimgesellschaft ist? Die Antwort ist so einfach nicht. Es gibt etliche Freimaurer, die von sich selbst sagen, dass sie dieser weltweiten Bruderschaft angehören, ja, die sogar an einem kleinen Abzeichen am Revers ihres Jacketts zu erkennen sind. Jedoch, es ist maurerisches Gesetz, von keinem Bruder zu sagen, er sei Freimaurer, es sei denn er habe das erlaubt. Das erklärt sich aus zwei Gründen: Einmal muss es jedem Bruder vorbehalten bleiben, ob er sagen will, dass er auf dem freimaurerischen Wege an seiner Vervollkommnung arbeitet. Und zweitens kann ein jeder Schutz verlangen vor dem Unverständnis von Menschen, die, aus welchen Gründen immer, hinter der Freimaurerei Gefährliches vermuten. Schließlich möchte sich niemand durch seine Zugehörigkeit zur Freimaurerei geschäftlichen, beruflichen oder auch Ärger in der Nachbarschaft einhandeln.

Ganz am Rande: Fast jeder Bruder hat es erlebt, oder aber er kennt den Bericht eines anderen, irgendwo auf der Welt bei den unterschiedlichsten Gelegenheiten jenseits von Logen einen Bruder entdeckt zu haben.

Kein Abzeichen. Kein Zeichen überhaupt. Die Art, ein Thema zu erörtern, das Ausmaß an Toleranz anderer Meinung gegenüber waren maßgeblich dafür, dass man einander näherkam, um später vielleicht die Logenzugehörigkeit auszutauschen. Wenn das fern der Heimat geschieht, ist die Freude darüber besonders groß.

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